Mein Lachen.

01.09.2020 I Svenja Hirsch

Vielleicht gibt es bei jedem*r von uns etwas, worauf wir in negativer Weise des öfteren aufmerksam gemacht werden? Und uns in der Folge dafür schämen? Bei mir war es das. Eine der Sachen, die eigentlich schön sein sollten.

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Bei mir war es mein Lachen oder die Tatsache, dass ich ‘zu viel’ gelacht habe.

In der Schule hatte ich beispielsweise eine gute Freundin, die viel Blödsinn machte und ich lachte darüber die ganze Zeit. Mein Lehrer meinte:

“Du lachst auch über alles, was Julia macht, was?”

In der Realschule auf Abschlussreise fand ich einen Jungen toll, aus der Klasse mit der wir gemeinsam unterwegs waren. Abends saßen wir mit ein paar Anderen am Strand und es wurde erzählt. Ich lachte (aus Verlegenheit) sehr viel, bis eine aus meiner Klasse zu mir sagte: “Boah Svenja, kannst du mal aufhören, die ganze Zeit so dämlich zu lachen!”

Ich habe früher bis zum Erbrechen Comedy-Sendungen geschaut, mir Programme von Kurt Krömer und Bully auf DVD geholt und geschaut, bis ich mitsprechen konnte. Lachen hat mich früher immer von Schwere befreit, daher habe ich es gerade in unangenehmen Situationen genutzt, um meine Unsicherheit zu überspielen. Es “erleichtert” mich gewissermaßen.

Mein Lachen macht mich frei. Was bedeutet es, wenn ich nicht lache?

2013 lernte ich jemanden kennenlernte, mit dem ich längere Zeit zusammen war. Er sagte mir auch, ich würde immer so viel lachen. Das sei komisch. Und kurz vor unserer Trennung: “Du lachst gar nicht mehr so viel. Das ist gut.” Ich hatte es mir wohl abgewöhnt, ihm, aber nicht mir selbst zuliebe.

Als ich von Zuhause ausgezogen bin, meinte mein Stiefpapa Andreas zu mir, ich sei jetzt viel lockerer und fröhlicher, würde mehr lachen. Meine eigene Wohnung tue mir anscheinend gut.

Und als mein Mann vor ein paar Tagen zu mir meinte, er liebe es, wenn ich aus vollem Herzen lache, kam das Thema wieder in mir hoch. Ich habe mich mit einem fetten Kloß im Hals bei ihm bedankt und gesagt, dass mir schon ganz andere ‘Meinungen’ dazu gesagt wurden. Mein Mann meint, das Lachen, mit dem ich meine Unsicherheit überspiele, habe ihn anfangs auch etwas irritiert. Weil er mich mittlerweile besser kennt und weiß, woher es komme, finde er es sogar süß.

Wer sind die Leute, die dich negativ bewerten?

Lachen hat mir vor allem früher Sicherheit gegeben und es zeigt mir die Orte und Menschen, wo ich sein kann, wer und wie ich bin. Das habe ich jetzt verstanden. Und so wie Weinen ein Ventil ist, ist es auch die entgegengesetzt Variante ganz häufig. Lachen beschwingt mich und macht mein Herz weit. Wofür stehen die Leute, die mir sagten, ich lache zu viel/doof/unpassend? Für Enge, Grenzen und sich verstellen, um in Konventionen zu passen, in Denkbilder und Geschichten, die sie sich für mich ausgedachte haben. In die ich mich leider zu oft selbst hinein gedrückt habe, ohne dass diese zu mir gepasst hätten.

Es gibt einen wunderschönen Spruch, ich glaube, er ist von Marilyn Monroe? Ich habe diesen zumindest im Zusammenhang mit ihr zum ersten Mal gelesen. Er lautet:

Wo man singt, da lass’ dich nieder!

Und das Gleiche gilt auch hier – wo man lacht, da lass’ dich nieder. Denn dort ist dein Herz beschwingt und willkommen.

Text: Svenja Hirsch

Foto: auch

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