Sidekick-Story – Denise und der erste Tod

28.07.2020 I Svenja Hirsch

Eine Geschichte aus der Schulzeit, die mir für immer im Gedächtnis bleiben wird, ist der Abschied von Denise. Die erste Berührung mit dem Tod vergisst man einfach nicht.

Titelbild zu Denise und der Tod, Beerdigung, weißer Sarg mit Blumen

Denise kam während eines Schuljahres neu in die Klasse unter uns. Sie war schlagartig da und jeder kannte sie! Weil sie immer sehr dick geschminkt war, Sachen trug, die sich sonst keiner traute und ein absoluten Scheiß darauf gab, was andere über sie sagten.

Liebe das Leben

Sie hatte Spaß am Leben und kam im Prinzip nur zur Schule, weil sie dort ihre Freunde traf. Immer zu spät, lernen tat sie auch nie und hatte immer irgendwas zwischen 5 und 0 Punkte in Tests wie Arbeiten. Liest man das jetzt so, könnte man meinen, sie sei eine von diesen zickigen, leicht asozialen Girls, die immer nur am Haten sind. Nein, tatsächlich nicht. Okay, es gab in ihrer Klasse die ein oder andere Auseinandersetzung. Aber sie fiel nicht durch eine negative Art auf, wie diese Girls sie haben. Sie war offen und lachte viel, war immer unterwegs. Und was soll man sagen: Die Jungs liebten sie natürlich! Dabei hatte sie einen festen Freund, den sie als Foto in ihrem Medaillon um den Hals trug.

Unheilvolle Zusammenkunft

Eines Tages trommelte unsere Klassenlehrerin uns zusammen. Ich ahnte an ihrem Gesichtsausdruck schon, dass etwas nicht stimmte. Mit zitternder Stimme bat sie um Ruhe und erzählte dann, dass Denise im Krankenhaus sei. Sie war am vorherigen nach Hause gekommen, ihr war nicht wohl gewesen und sie habe sich aufs Bett gelegt. Als ihre Mutter das nächste Mal nach ihr sah, lag sie schon im Koma.

Doch ein paar Tage später starb sie schließlich.

Vermutlich bei einem Besuch auf dem Dom hatte sich Denise eine Meningitis eingefangen, Hirnhautentzündung durch Tröpfcheninfektion. Diese verlief unglaublich schnell. Zwei Jungs aus meiner Klasse waren recht gut mit ihr befreundet und besuchten sie noch im Krankenhaus. Doch ein paar Tage später starb sie schließlich.

Die erste Beerdigung, die erste Begegnung mit dem Tod

Ich ging mit ein paar Leuten aus meiner Klasse zu ihrer Beerdigung. Sie wurde in einem weißen Sarg gebetet, umsäumt von lauter pinken und rosafarbenen Blumen. Genau ihr Ding! Als wir die Kirche verließen und den Eltern anschließend unser Beileid aussprachen, stand neben diesen ein kleiner Junge und weinte ganz bitterlich. Ihr Bruder. Ich hörte später, dass die Eltern wohl schon ihren älteren Sohn verloren hatten, der beim Militär war. Ob das stimmt, weiß ich nicht.

Eine eigene Trauerfeier

Wir veranstalteten in der Schulaula schließlich noch eine eigene kleine Trauerfreier für Denise. Diese ganzen Bilder und die Bestürzung darüber, dass jemand so urplötzlich aus dem Leben verschwinden kann, habe ich bis heute im Kopf. Es war das erste Mal, dass ich so etwas unmittelbar erlebt habe und auf einer Beerdigung war. Diese Eindrücke bleibe für immer.

Wer das Leben voll auskostet, geht früher?

Manchmal frage ich mich, ob Denise insgeheim wusste, dass sie sehr früh gehen würde. Dass sie deshalb das Leben mit so viel Spaß und Freude genoß und einfach machte, was ihr passte. Nicht auf Schulnoten achtete, nicht lernte, wegging, sich anzog, wie sie wollte. Ich hoffe das ehrlich gesagt sogar ein bisschen. Und es erinnert mich rückblickend an meinen Stiefpapa, der (fast) genauso unterwegs war. Er wurde zwar immerhin 60, aber trotzdem ging er früher als viele andere und nahm sich ähnlich wenig zurück wie Denise. Was wohl aus ihr geworden wäre?

Text: Svenja Hirsch

Skizze: auch

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