Wenn einer sagt: Das wird nichts, komme ich erst richtig in Fahrt

21.07.2020 I Brigitte Jülich

Wie betäubt lag ich in meinem Krankenbett. Der Satz kreiste in meinem Kopf wie ein dumpfes Echo. „Mit Ihnen, das wird nichts mehr, Fräulein Jülich“, hatte der Chefarzt der Neurologie gesagt. Damit war die Angelegenheit für ihn erledigt. Erwerbsunfähigkeitsrente und Pflegeheim. Mit 23 Jahren.

Foto zum Gastbeitrag von Brigitte Jülich, Portraitbild in sw

Diagnose Schlaganfall

Das konnte einfach nicht sein. Für mich war das noch lange nicht erledigt. Immerhin hatte mich schon eine Fehldiagnose in diese schreckliche Situation gebracht. Ich hatte, gerade 23 Jahre alt, einen Schlaganfall erlitten. Und das drei Tage vor meinem schriftlichen Abitur, das ich als Zahnarzthelferin gerade auf dem zweiten Bildungsweg in Angriff nahm. An diesem Freitag im Mai 1973 hatte sich mein Mund plötzlich ganz pelzig angefühlt, und im Spiegel sah ich, dass der rechte Mundwinkel leicht herabhing. Zudem quälten mich extreme Kopfschmerzen.

Ich selbst deutete meine Krankheitssymptome richtig, nur der Neurologe wollte nichts davon wissen. Er schickte mich mit falscher Diagnose und falschen Medikamenten nach Hause. Mein Zustand verschlimmerte sich zusehends. Nach drei Tagen konnte ich nicht mehr schreiben, lesen oder gehen. Als ich endlich ins Krankenhaus kam, war es fast zu spät. Und jetzt, nach zwei langen Monaten Krankenlager, diese lakonische Diagnose für mein restliches Leben: Das wird nichts mehr, Fräulein Jülich.

Andere Patientinnen hätten sich umgebracht

Andere Patienten hätte dieser Satz womöglich umgebracht, mich nicht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt merkte ich, dass Widerstand mich anspornt. Wenn einer sagt, „das geht nicht“, komme ich erst richtig in Fahrt. Ich konzentrierte mich auf meinen Körper und versuchte, alles in mir und an mir zu mobilisieren. Mit den gelähmten Zehen fing ich an. Rückblickend scheint mir, dass ich mich bereits damals selbst zur „Körpertherapeutin“ ausgebildet habe, obwohl davon noch nie gehört hatte.

In der Rehabilitation ging es weiter

Dann Reha-Klinik. Hier erwarb ich neue Kochkenntnisse und webte Sitzbezüge, bloß laufen lernte ich nicht. Weitergebracht habe ich mich selbst. Allein und heimlich machte ich mich auf einen harten Weg. Die Klinik lag an einem Berg, den ich mir Stück für Stück eroberte – immer weiter, immer höher. Froh war ich, wenn ich unverletzt zurückkam. Doch oft schlug ich lang hin und kam kaum wieder auf die Füße, Blutergüsse und Schürfwunden inklusive. Aber ich wusste, dass es nur so geht. Die Klinik verließ ich auf eigenen Wunsch.

Auf ärztliche Meinungen habe ich verzichtet

Ich habe keinen Arzt mehr gefragt, was ich für meine Gesundung tun kann, sondern die Verantwortung für mich selbst übernommen. Ich suchte mir Bewegungen aus, die mir halfen. Glücklicherweise hatte mir damals niemand das Autofahren verboten. So übte ich mit meiner Ente, bis das Fahren wieder klappte. 1980 war ich so weit, dass ich zum Skifahren ins Wallis fuhr. Einmal bin ich aus dem Lift gefallen, manchmal zitterte mein rechtes Bein so stark, dass ich nicht wusste, wie ich heil vom Berg kommen sollte. Oben konnte ich nicht bleiben, also musste es gehen. Und es ging immer, irgendwie. Jeden Bewegungsablauf vom Gehen bis zum Schreiben stellte ich mir zuerst im Kopf vor. So kam ich vom Kopf wieder auf die Füße. Das war eine harte, selbst auferlegte Schule, die mir aber Ansporn und Mut für mein ganzes Leben gegeben hat.

Vor der Krankheit wusste ich nicht, wie viel Kraft in mir steckt. Die gebe ich heute gerne an andere weiter.

Ich bin meinen Weg gegangen …

Körperliche Einschränkungen habe ich noch, aber das hat mich nicht gehindert, einen beruflichen Erfolgsweg einzuschlagen. Mein Abitur machte ich ein Jahr später, mit Links – im wahrsten Sinne des Wortes – und studierte. Der Empfehlung des Arbeitsamtes, „nehmen Sie doch die Rente, gehen Sie doch nicht arbeiten“, mochte ich nicht folgen. Schließlich wollte ich nicht mit 30 am Teich sitzen und Enten füttern.

… und keine Zahnärztin geworden!

Heute arbeite ich über 35 Jahre als erfahrene Psychotherapeutin & Coach. Ich unterstütze Frauen dabei, mit Mut ihre Veränderungen
anzugehen, um ihre Zuversicht wieder zu gewinnen. Meine Kundinnen sagen, dass sie in ein tiefes Loch gefallen sind und nicht wussten, wo der Ausgang ist. Jetzt spüren sie wieder sich und ihre Kraft. Als Erfolgscoach unterstütze ich in meiner Praxis und online Menschen in verschiedensten Lebenslagen durch Psychotherapie, Körpertherapie und Coaching. Ein besonders Angebot sind Seminare in Klöstern zum Thema: Ich bin dann mal offline!

Ich finde, ich habe einen guten Weg gewählt und manchmal auch nur zufällig gefunden. Vor der Krankheit wusste ich nicht, wie viel Kraft in mir steckt. Ich bin froh und stolz darauf, dass ich erlebt habe, wie viel möglich ist. Diese Kraft und Zuversicht gebe ich gern anderen weiter. Es ist ein absolut gutes Gefühl, sein Leben selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen und Schritt für Schritt seine Erfolge zu feiern. Das hört auch nie auf. So gesehen – da ist doch ganz schön was aus mir geworden – von der Zahnarzthelferin zur Psychotherapeutin & Coach.

Wer Fragen hat, darf mich gerne ansprechen.

Ich biete eine kostenfreies Gespräch an: https://www.erfolg-orange.de/gespraech/

von Brigitte Jülich, https://www.erfolg-orange.de

Text: Brigitte Jülich

Foto: auch

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