Mobbing später – Verlustangst und innere Einkehr

07.07.2020 I Svenja Hirsch

Mobbing ist vor allem in der Schule an der Tagesordnung. Es hörte bei mir auf, als ich von Schule in die Uni ging. Doch gewisse Teile kamen noch lange Zeit mit mir.

Titelbild zu Mobbing 2.0 oder Mobbing in der Schule, Mädchen mit Jungs im Hintergrund

Vergangene Woche habe ich eine Menge über Mobbing, gerade im Bezug auf das Äußere erzählt. Es gab noch mehr Situationen. Zum Beispiel am Aufbaugymnasium: Ein paar Mädels aus den unteren Klassen hatten mich irgendwann auf dem Kieker und raunten mir im Vorbeigehen giftige Kommentare zu. Die Jungs waren oft nicht besser, ich wurde zum Beispiel an einer Bushaltestelle auch mal mit Kichererbsen beworfen.

Mobbing 2.0

Den letzten Rest gab mir ein Tritt in die Kniekehle, als wir auf dem Schulhof waren, und ich mit dem Rücken zu jemandem stand, der mir von hinten ins Gelenk trat. Ich sah ihn oder sie nicht. Es kam hinterrücks, ohne Vorwarnung. Und ich konnte den oder die Täterin natürlich nicht mehr ausmachen.

Es ist vorbei. Bye, bye

Dass ich gleich ein paar Blogbeiträge zu diesem Thema schreiben kann, zeigt wie sehr mich diese ganze Schulzeit und das Mobbing beschäftigt hat. Ich sitze hier und schüttle den Kopf darüber, wie normal das für mich war. Aber auch, wie viel wir von solchen Vorkommnissen mitnehmen und weitertragen, obwohl diese in unserer Vergangenheit liegen und vorbei sind.

Was hat das Ganze mit mir gemacht?

Das Mobbing hörte auf, als ich von der Schule endlich an die Uni kam. Oh Gott, was für ein Ballast da von mir abfiel! Ich hatte intelligente Freunde, mit denen ich gerne Zeit verbrachte. Und die ersten Männer am Start. Mein Selbstbewusstsein baute sich auch zuerst dadurch wieder auf, dass einige Männer mich zum Umfallen schön fanden und mir das sagten. Mein erster richtiger Freund wurde von einer Bekannten als „Sahneschnitte“ beschrieben und ich bekam den heißen NDR-Bauarbeiter ab, auf den es alle am Set abgesehen hatten.

Sportwahn und heiße Typen

Ich tat allerdings auch einiges dafür, dass ich so aussah, wie ich aussah. Als ich studierte, verfiel ich kurzzeitig in einen Sportwahn, war mitunter 5-7 Stunden pro Woche beim Fitness. Sportspaß sei Dank. Ein kompletter Wahnsinn eigentlich und absurd, wenn man bedenkt, dass ich vorher so ungerne Sport gemacht habe.

Aus heutiger Sicht kann ich meine damaliges Gefühl verstehen – ich war wirklich sehr auf das Äußere fixiert. Bei mir selbst und so ebenfalls bei anderen. Weil es auch sonst in den Gesprächen mit Freundinnen immer eine große Rolle spielte, wie wer aussah und heiß war usw. Aber ich habe schon damals gespürt, dass mich das nicht glücklich machte. Denn so schön die Männer waren, reden konnte ich nicht groß mit ihnen.

Verlustängste und worum es im Leben wirklich geht

Ich hatte selbst eine ziemliche Blockade, was das betraf und Angst, diese Männer zu verlieren. Es musste noch einiges passieren, bis ich begriff, worum es wirklich ging und dass das Äußere dich nicht im Inneren erfüllen kann.

Letztlich zeigt mir diese ganze Phase, wie sehr wir uns selbst zusetzen können, wenn wir im Außen/Äußeren und unserer Vergangenheit verharren. Als ich endlich mit und in mir selbst alleine sein konnte, kam auf einmal der Mann um die Ecke, mit dem ich jetzt verheiratet bin.

Wer ständig im Kampf mit sich und anderen lebt, macht sich und die Welt zu einem kaputten Ort. Wenn wir aber mit uns selbst klar kommen, uns aufräumen und leise sein können, ohne uns unwohl zu fühlen, wird die Welt zu einem ruhigen, friedlichen Ort. Auch und vor allem unsere eigene.

Text: Svenja Hirsch

Skizze: auch

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