Mobbing in der Schule – Vom Gorilla zur Selbstliebe

30.06.2020 I Svenja Hirsch

Von Leo habe ich schon kurz erzählt, oder? Der Junge, der mich Gorilla nannte und andere ähnliche schöne Beschreibungen fand, bis ich meiner Vertrauenslehrerin davon erzählte. Das war nicht der einzige Fall von Mobbing. Ich habe mal ein bisschen gesammelt …

Titelbild zum Beitrag über Mobbing in der Schule

Drei weitere Situationen gab es von Mobbing an der Schule, die ich bis zur 10. Klasse besuchte:

Gruppe vs. Einzelne

1. Eine Dreiergruppe von Kids sagte meiner Schwester im Bus, dass ihre große Schwester hässlich sei. Sie kam heulend nach Hause. Ich ging am nächsten Tag zu einem Mädchen aus der Gruppe und meinte, dass sie alle drei ganz schön feige wären, weil sie es nicht mir direkt sagten. Sie entschuldigte sich und schob die Verantwortung ganz schnell auf einen Jungen aus der Gruppe. Zu meiner Schwester hat danach keiner mehr etwas gesagt.

Boah, ist die fett!

2. Auf dem Weg von der Schule nach Hause stand ich auf, um auszusteigen. Eine Junge hinter mir zu seinem Kumpel: „Boah, guck mal der Hintern! Die tut mir echt leid.“ Nicht der erste Satz dazu, ich hörte auch mal das schöne Wort „Breitarsch“. Auch über meine Second Hand Kleidung, die ich von meiner Cousine hatte, wurde gelacht.

Schamesröte

3. Ich war zu dieser Zeit sehr in einen Jungen aus meiner Klasse verknallt. Eines Tages machte ich besonders schicke – dachte ich. Ich hatte ein Seidentuch um den Hals, selbst gebatikt versteht sich, und ein paar fette Ohrringe in lila drin. Dazu Jeansjacke und Leggings. Ich saß direkt hinter dem Jungen zu dieser Zeit und meine Tischnachbarin meinte nur lautstark zu mir: „Du siehst ganz schön trutschig aus! Hast du dich schick gemacht für Mirko?!?!“ Ich wurde putterrot und gab nur zurück, dass das besser sei als so ein Mauerblümchen zu sein, wie sie! Und dass ich mich vor allem für mich selbst so anzog. Na ja, heute mag das stimmen, damals war es glatt gelogen.

Es gibt noch mehr Situationen, die ich den kommenden Texten aufgreifen werde. Dies nur mal so als ‚ersten Einstieg‘.

Was hat das Ganze mit mir gemacht?

Mein Selbstbewusstsein wurde erst mit der Zeit stärker, als auch die ersten Stimmen von Jungs bzw. Männern kamen, die mich schön fanden. Doch selbst bei Komplimenten fühlte ich mich immer unwohl. Ich glaubte nicht, was Mann mir sagte und dachte, die wollen nur irgendwas von mir, was ich nicht will.

Wieviel hat Mobbing in der Schule mit Erziehung zu tun?

Das Ganze zeigt, wie sehr ich mir damals die Meinung anderer, oft sogar fremder Menschen zu Herzen genommen habe. Und es zeigt, wie unbewusst viele Eltern ihre Kinder erziehen. Dieses ständige Bewerten anderer Menschen können Erwachsene besonders gut und geben es daher oft den Kindern mit. Empathie, gewaltfreie Kommunikation und Selbstwert sind Faktoren, die wir meiner Ansicht nach Zuhause und auch schon in der Schule lernen sollten.

Im Grunde hatte ich bis vor Kurzem noch eine eher schlechte Meinung über meinen Körper. Zum Ende der Realschulzeit hatte sich bei mir auch eine echte Essstörung entwickelt. Sie war ein Resultat aus all den Stimmen, die ich mir gegeben habe. Ich glaube, so richtig rausgekommen bin ich aus meiner Essstörung sehr spät. Vielleicht sogar erst seit 1 bis 2 Jahren, denn davor habe ich mich immer noch unwohl gefühlt. Das ist erst jetzt weg, seit ich von meinem vorherigen Freund getrennt bin, meinen Mann kennengelernt habe und diverse Dinge für mich selber mache:

Was ich heute für mich selber tue

Zum Beispiel esse ich keinen Zucker mehr. Dieser hat mich tatsächlich schwermütig gemacht, im wahrsten Sinne. Mein Mann trägt dazu bei, dass ich sehr wenig Fleisch esse, was definitiv auch ein Faktor ist. Außerdem sortiere ich mittlerweile regelmäßig meinen Kleiderschrank aus, ziehe einmal ALLES an und alles, worin ich mich nicht wohl fühle, fliegt raus. Zudem ich habe mich seit mehr als einem Jahr nicht gewogen. Das war lange ein totaler Stressfaktor, weil ich mich damit selbst komplett kontrolliert habe. Solange ich in meine Hosen passe, ist alles gut!

Nur sich selbst gefallen zu müssen, sich wohl zu fühlen, gilt für alles. Körper, Geist und Seele. Genau wie nur ich weiß und entscheide, was mich im Leben glücklich macht, weiß nur ich, wann mein Körper sich wohl fühlt.

Das Thema meines Lebens: Nicht zu viel auf andere hören

Was dadurch und viele andere Situationen in meinem Leben gelernt habe und immer noch lerne, ist nicht zu viel auf die Meinung anderer zu geben. Gerade wenn du so derart negativ bewertet wirst, passiert das meist, weil der andere etwas kompensieren muss und sich seiner selbst weder bewusst, noch sicher ist. Er ist im Mangel, wie man so schön sagt. Wie du in meinen Texten bis hierher lesen konntest, ist diese Abgrenzung für mich ein riesiger Lernprozess – und vermutlich meine große Lebensaufgabe, denn ich gerate immer wieder in Situationen, wo genau das gefragt ist.

Das Mobbing in der Schule und schließlich im Studium ging noch weiter. Ich war auch dadurch ziemlich aufs Äußere fixiert. Mehr dazu schreibe ich nächste Woche.

Text: Svenja Hirsch

Skizze: auch

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