Abgrenzung und Selbstvertrauen

16.06.2020 I Svenja Hirsch

Die Trennung meiner Eltern hatte einen großen Wandel zur Folge. Unsere gesamte Familienstruktur verändert sich und es gab mehrere Menschen, die damit nicht umgehen konnten. Ein Text über Abgrenzung und Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Titelbild zum Beitrag Abgrenzung und Selbstvertrauen, La Familia

Schon komisch: Da entscheiden sich zwei Menschen, eine Verbindung aufzulösen, weil sie nicht mehr glücklich sind. Und auf einmal meinen ganz andere Menschen um sie herum, sie hätten Mitspracherecht. So war es, als sich meine Eltern trennten. Eigentlich eine Sache zwischen den beiden, in der vielleicht noch wir Kinder irgendwie drin hingen. Die Kreise, die das Ganze zog, waren jedoch wesentlich größer.

Viele Beziehungen hinterfragen wir nicht, einfach weil es sie schon immer in unserem Leben gab

Vor allem auf beruflicher Ebene gibt es viele Texte darüber, dass andere Menschen immer versuchen werden, dir zu sagen, etwas gehe nicht oder würde nicht klappen. Aber auch und gerade auf privater Ebene ist das genauso der Fall. Ich habe es hier sogar noch viel krasser erlebt. Denn gerade auf dieser Ebene kommen Freunde und Familie ins Spiel und somit Menschen, mit denen du viel Zeit verbracht hast und denen du vertraust, einfach weil du sie schon immer um dich hattest. Auf diese Menschen hörst du viel eher, als beispielsweise auf Arbeitskollegen.

Wer weiß, was dich glücklich macht?

Fakt ist aber, dass niemand bewerten oder sagen kann, was dich glücklich macht. Das kannst nur du selbst wissen und entscheiden. Wenn du statt auf deine Bedürfnisse und Träume, auf die Meinung und Schmerzen anderer Menschen hörst, ganz egal wie nah sie dir stehen, lebst du fortan in einem unglücklichen Gefühl dahin. Weil du deren Leben lebst, nicht dein eigenes.

In dem Beitrag zum Geld (Herkunft & Schulden) schreibe ich über ein paar Situationen, die sich aus der Trennung meiner Eltern ergeben haben. Es waren Verwandte, die sich so verhielten, dass ich entschied, an den Feiertagen nicht mehr dorthin zu gehen. Es ging mir überhaupt nicht gut mit dem Gefühl, dass ein Teil von mir abgelehnt wurde. Dieser Teil war und ist meine Mutter und das, was sie mir mitgegeben hat.

Es war die große Ablehnung und Ausgrenzung von allem, was mit meiner Mutter zu tun hatte, die mich letztlich dazu gebracht haben, mich gerade bei ihr sicherer und beschützter zu fühlen.

Man sagte mir Dinge wie:

Bist du sicher, dass du das richtig wahrnimmst? Vielleicht solltest du mal eine Therapie machen!

Nun, ausgerechnet meine Therapie hat mich in dem bestärkt, was ich wahrnehme, sehe und fühle. Das Vertrauen in mich selbst ist das, was ich immer mehr und mehr lerne. Und mit jedem weiteren Schritt stelle ich fest, dass die Entscheidung, mich von gewissen Menschen zu entfernen genau die richtige war.

Abgrenzung – Der Unterschied zwischen Unterstützung und Misstrauen

Mir wurde gesagt: „Wenn du an Weihnachten nicht kommst, brauchst du auch keine Geschenke mitzugeben, die sind dann nichts wert.“ Ich habe geheult und beschlossen, keine Plätzchen zu backen in dem besagten Jahr. Bis meine Mutter kam und fragte: „Du würdest denen doch aber gerne etwas schenken, oder?“ Ich nickte. „Dann mach es einfach, wenn du das willst. Lass dich nicht davon abhalten, dass dir so etwas gesagt wird.“ Also machte ich genau das.

Was meine Mutter zu dieser Zeit tat und dachte, was in meinem Vater und der restlichen Verwandtschaft vor sich ging, ist kaum aufzulösen und noch schwieriger aufzuschreiben. Der Unterschied für mich war, dass meine Mutter versucht hat, mich zu bestärken, während die Verwandtschaft mich klein machte. Dass meine Mutter die meiste Zeit positiv sprach, während die Verwandtschaft die negativen Dinge fand, bewertete und Misstrauen säte, statt mich zu unterstützen.

Ohne Abgrenzung gibt man das Misstrauen anderer immer weiter

Ich habe das in einer späteren Phase meines Lebens vergessen und zu oft mit Menschen zu tun gehabt, die auch so sind. Die eher misstrauen und Zwiespalt säen, weil sie mit sich selbst nicht im Reinen sind. Die mehr von anderen erwarten, als sie selbst geben. Erst vor etwa zwei Jahren habe ich wieder angefangen, das zu sehen und mich abzugrenzen. Weil es mir nicht gut tut und mich blockiert.

Ich kann das nur jedem raten. Und auch, sich selbst zu fragen, ob man solche Züge in sich trägt. Ich habe viel Misstrauen erlebt und dieses auch auf andere projiziert, weil ich mir mitunter selbst nicht vertraut habe. Ich lerne, das abzubauen. Und je mehr ich mir selbst vertraue, desto weniger können mir die Bewertungen durch andere oder Aussagen wie „Das gehört sich nicht. Das macht man nicht. Das klappt eh nicht.“, etwas anhaben.

Text: Svenja Hirsch

Skizze: auch

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