Der VW Bus und warum ich nie anfing zu rauchen

5.5.2020 I Svenja Hirsch

Ein VW Bus im Hippie-Gewand. Ausflüge in den Wald. Und einer dieser Trips, die dafür verantwortlich sind, dass ich nie Fluppen in der Tasche habe. Nichtraucher forever.

Illustration VW Bus Hippie zu Text Warum ich nie anfing zu rauchen, Nichtraucher Text

Ein Bild von meinem Papa, an das ich mich für immer erinnern werde: Er, ca. 20 Jahre jung, angelehnt an seinen blauen VW-Bus, grinst in die Kamera, die Haare gehen ihm bis zum Po.

Erst blau, dann bunt: Der VW Bus meiner Kindheit

Der VW-Bus, den es heute nicht mehr gibt und den so viele gerne hätten, ist für mich das Symbol meiner frühen Kindheit. Erst war er blau, bis Papa ihn austauschen musste, weil im Beifahrerbereich der Boden durchgerostet war und man irgendwann mit den Füßen auf der Straße mitlaufen konnte. Er schaffte es irgendwie, einen Bus zu erstehen, der dem alten sehr ähnlich war. Bis auf die Farbe: Armigrün. Weil er das langweilig fand, erlaubte er mir, seinen Bus mit Lackfarben zu bemalen. Ich sollte dabei nur auf jeden Fall die kleinen Rostpunkte in der alten Farbe übermalen, damit dort nicht noch mehr kaputt gehen konnte.

Hippie-Look made by me

Ich hatte nicht viele Farben, nur gelb, orange, rot und blau. Vorne bekam der Bus eine Reihe blauer Ottifanten unter die Windschutzscheibe gemalt (mein Papa liebte Elefanten). Seitlich und hinten malte ich mit den anderen Farben riesige Blumen auf den Bus. Spaßeshalber meinte meine Mutter, ich könne ja auch noch aufs Dach steigen, um dort die Rostpunkte ebenfalls mit tollen Blumen zu bemalen – gesagt, getan.

Danach war das Auto der Hingucker schlechthin. Für mich war es total normal, mit dem Ding durch die Gegend kutschiert zu werden, aber in so einem gediegenen Stadtteil wie hier im Hamburger Westen war so eine bunte Kiste das Highlight schlechthin. Dort, wo alle sonst in ihren grauen BMWs saßen, fuhren wir mit diesem Auto durch die Gegend. Im Nachhinein finde ich das ziemlich witzig und cool von uns!

Und dann das: Warum ich Nichtraucher bin

Mein Papa hatte innen Sitzbänke, denen er ein paar Flickenteppiche als eine Art „Bezug“ verpasste. Mit diesem und auch dem vorherigen Bus machten wir viele Touren in den Wald (ich berichtete). An eine davon erinnere ich mich insbesondere. Sie ist vermutlich der Grund, weshalb ich Nichtraucher bin.

Was ich selbst mache, kann ich dir nicht verbieten.

Wir hielten auf der Strecke zu Tante Grete, die am Rande Lübecks wohnte. Es war ein toller Aussichtspunkt, am Rande eines Waldes, der Hang fiel hier an der einen Seite steil nach unten und man konnte sehr weit, bis nach Lübeck reingucken. Papa und Mama zeigten meiner Schwester und mir, wohin wir genau fahren würden, wo Tante Grete wohnte. Dann zündete sich Papa eine Zigarette an. Ich sah ihn und die Fluppe sehr interessiert an. „Wie schmeckt das?“, fragte ich.

Die etwas andere Erziehungsmethode – durchaus wirkungsvoll!

Heute werden viele Eltern über das, was dann folgte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Mein Papa ließ mich nämlich probieren! Da war ich vielleicht sechs oder sieben. Aber ganz ehrlich: Ich fand das so widerlich, dass ich auch später nicht im Traum daran dachte, mit dem Rauchen anzufangen. Auch nicht, um besonders cool zu sein und meine Zeit mit den coolen Kids in der Raucherecke zu verbringen. Ich fand das einfach nur ekelhaft. Nichtraucher forever.

Keine Verbote, aber auch kein Geld für Scheiße

Meine Mutter tat dazu ihr übriges. Sie sagte: „Was ich selber mache, kann ich euch nicht verbieten. Aber das Geld dafür müsst ihr schon von eurem eigenen abzwacken. Da gebe ich euch keins für.“ Wir hatten somit nie ein generelles Verbot, Rauchen war bei uns keine geheimnisvolle Grenzüberschreitung zum Rebellieren und hatte damit auch keinen besonderen Reiz für uns. Und obwohl meine Eltern beide rauchten, mein Stiefpapa auch, und das nicht zu knapp, sind drei von vier Kindern Nichtraucher. Und der eine Ausreißer raucht auch nicht besonders viel, oder vielleicht auch gar nicht mehr. Ich weiß das nicht mal ganz genau, so wenig ist es mittlerweile.

Intuition ist King

Dieses kleine Erziehungsbeispiel ist deswegen so schön, weil es einen entspannten Umgang zeigt, den meine Eltern bei diesem Thema mit uns hatten. Es geht hier nicht um die Frage, ob man Kindern etwas verbieten sollte oder ob man grundsätzlich ohne Verbote erziehen muss. Ich halte diese Erziehungsratgeber, die solche und andere Vorgaben machen ohnehin für mehr als überholt. Das Einzige, was sie tun, ist Eltern verrückt zu machen und zu verunsichern. Sie fühlen sich schlecht, weil sie denken, etwas nicht richtig zu machen oder nicht zu wissen, wie man es richtig macht. Und wenn es den Eltern schlecht geht, wie sollen sie dann dafür sorgen, dass es ihren Kindern gut geht?

Meine Eltern haben beim Thema Nichtraucher aus einem Gefühl heraus gehandelt und so instinktiv den (für uns) passenden Tonfall und Umgang getroffen. Und es hat dazu geführt, dass wir mit wenigen Ausnahmen die Finger davon gelassen haben. Das wünscht sich ja wahrscheinlich jeder Elternteil für sein Kinder.

Text: Svenja Hirsch

Skizze: auch

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