Sidekick: Sebastian und die kalte Dusche

24.3.2020 I Svenja Hirsch

Sebastian war das erste Tageskind meiner Mutter und ein ziemlicher Wirbelwind. Meine Oma sagte, er habe Hummeln im Hintern – und hören tat er auch selten. Bis zu jenem Sommertag. Eine Geschichte von damals, die mich bis heute begleitet.

Manneken Pis an einer Tanne stehend, pinkelt dagegen. Bild zum Artikel Sidekick Sebastian und die kalte Dusche zum Thema Erziehung

Sebastian ist nach wie vor einer der warmherzigsten, witzigsten und positivsten Menschen, die ich kenne. Daran ist meine Mutter vermutlich nicht ganz unschuldig. Trotzdem: Zu bändigen war er damals kaum und ich glaube, seine Eltern hatten früher so einige Probleme mit ihm. Er hörte einfach nie auf das, was man ihm sagte und war gerne frech. Meiner Mutter passte regelmäßig auf ihn auf. Und irgendwann wurden ihr seine (lieb gemeinten) Frechheiten dann doch zu bunt …

Wenn Erziehung buchstäblich in die Hose geht

Es war im Sommer. Damals waren wir noch in Schenefeld, im großen Garten, das Planschbecken war aufgebaut, und wir liefen entweder wie Gott uns schuf oder in Badeklamotten durch die Gegend. Sebastian fand, wenn er schon so ohne Hose durch die Gegend rannte, müsse er auch nicht das stille Örtchen aufsuchen und machte einfach überall hin, wo es ihm gerade einfiel.

Meine Mutter fand das nicht so toll. Aber er hörte natürlich kein Stück auf sie. Was für eine Schimpferei, als sie ihn das nächste Mal mit heruntergelassener Badehose an der Blautanne direkt vor unserer Eingangstür erwischte! „Noch einmal, mein Freund, und ich stell dich unter die kalte Dusche!“ Ja ja, dachte sich Sebastian. Die sagt das immer und am Ende passiert eh nichts. Tja …

Kindererziehung à la mamma

Beim nächsten Mal war meine Mutter rasend schnell zur Stelle. Sie hatte im Prinzip darauf gewartet, weil sie schon geahnt hatte, dass Sebastian ihre Ansage als leere Drohung sehen würde. Zack, Kind geschnappt, und ab in die Wanne!

Worüber manch einer in Sachen Erziehung heute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, lacht Sebastian noch heute. Es ist DIE Geschichte, wenn es darum geht, wie meine Mutter ihn in den Griff bekommen hat. Im Anschluss hörte er nämlich komischerweise (meistens) auf sie und seine Mutter war ganz erstaunt, wie folgsam er sein konnte. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass er nie wieder in den Garten gepinkelt hat.

Text: Svenja Hirsch

Skizze: auch

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