Was ich über Geld weiß – erste Schritte & mein Umgang mit Schulden

14.01.2020 I Svenja Hirsch

Früheste Kindheitserinnerung an Geld? Ich habe heimlich Geld aus meinem eigenen Spartopf genommen – und wurde erwischt! Wie ich erzogen wurde, welche schlimmen Belohnungssysteme ich nicht mehr ertrage und was das mit meinem Umgang mit Schulden zu tun hat.

Bild mit Glas und Kleingeld zu Beitrag Was ich über Geld gelernt habe, Umgang mit Schulden, finanzielle Intelligenz

Schlimme Situation, dieses Erwischt-Werden. Weil ich nicht nur an meinen Spartopf, sondern vorher auch schon an das Portemonnaie meiner Mutter gegangen war. Viele Eltern würden vermutlich komplett ausrasten. Meine Eltern setzten sich mit mir zusammen und fragten, ob ich mehr Taschengeld brauche. Tja. Der Deal: Das geht natürlich nur, wenn ich nicht mehr klaue. Ich hab mich daran gehalten und gelernt, mein Geld zu sparen. Und Bescheid zu sagen, wenn ich mal etwas aus meinem Spartopf (übrigens ein Seehund aus Plastik mit übergroßen Glubschaugen) haben wollte. Das war die harmlose Geschichte.

Belohnungssystem? Erpressungssysteme in punkto Geld

Als meine Eltern noch zusammen waren, erinnere ich mich an ein Weihnachten bei meiner Oma. Ich bekam Geld geschenkt. Meine Mutter sagte zu meiner Tante (was ich hörte), ich könne gut mit Geld umgehen. Irgendwas hatte sie vor, um meiner Tante genau das zu beweisen. Sie hielt etwas hinterm Rücken und sagte, ich solle ihr doch mal das Geld geben, was ich da gerade bekommen hatte. Ich fragte, warum. Meine Mutter wollte es mir nicht sagen und ich weiß bis heute nicht, was sie vor hatte. Ich weigerte mich nämlich.

Ich brauche immer ein ‚Warum?‘, bevor ich mein Geld hergebe. Und ich spüre, wenn jemand versucht, mich mit finanziellen oder materiellen Dingen zu beeinflussen. Ich werde noch einmal ausführlich auf meine Geschichte eingehen, aber ein Teil ist dieser: Als meine Eltern sich trennten, wurde die Situation bei meiner Oma (väterlicherseits) sehr, sagen wir, unangenehm. Ich ging schließlich an Weihnachten und Ostern nicht mehr mit dorthin.

Du bekommst dein Geschenk nur, wenn du bei mir vorbeikommst!

Irgendwann versteckte meine Tante keinen Osterhasen (meist mit 5 Euro am Halsband) mehr für mich mit. Den Höhepunkt fand das Ganze aber an meinem 18. Geburtstag. Ein Streit mit meiner Oma am Telefon, weil sie der Meinung war, meiner Mutter nicht ‚Hallo‘ sagen zu müssen. Und wollte, dass ich zu ihr komme, um meinen Geburtstag bei ihr zu feiern und mir dann in dem Zuge mein Geschenk abzuholen. Vorher hatte sie meinen Vater diese immer für mich mitgegeben. Das war das schlimmste und zugleich prägendste Erlebnis in punkto finanzielle Intelligenz oder auch Bildung, wie ihr wollt.

In allem schwang immer dieses Belohnungs- oder in meinen Augen eher Erpressungssystem mit: Du bekommst die Geschenke nur, wenn du vorbeikommst. Da sträubt sich bei mir alles. Ich habe das Geschenk zu meinem 18. übrigens ebenfalls nie bekommen. Und die tolle Volljährigkeit ist erinnerungstechnisch voll versaut!

Ich denke, Geschenke macht man, weil man sie von Herzen machen will und nicht, weil es eine Verpflichtung ist oder um etwas bestimmtes damit zu erreichen.

Ich will mir meine Geschenke selbst leisten können

Auch das wird eine Grund dafür sein, weshalb ich finanziell ganz gerne unabhängig bin. Denn dann bin ich nicht darauf angewiesen, dass mir irgendwer etwas schenkt. Meine Mutter hat das im Wesentlichen mitgeprägt. Im Podcast erzählt sie davon, dass sie auch in Elternzeit immer ihr eigenes Geld verdienen wollte. Angefangen bei der Betreuung des Sohnes ihrer besten Freundin, baute sie langsam eine kleine Kinderbetreuung von Zuhause aus auf. Das Geld floss auf ihr eigenes Konto. „Ich wollte nicht wegen jeder Unterhose um Erlaubnis fragen!“

Finanzielle Selbstständigkeit? Kenn‘ ich von Mama!

Meine Vater fand das nicht ganz so toll. Einer von vielen Gründen, weshalb sich die beiden irgendwann trennten. Meine Mutter behielt das Haus, zahlte dieses selbst ab und verzichtete auf den Unterhalt für sich, der im Prinzip von meinem Vater zugestanden hätte. Sie sagte immer, sie will nur für die Kinder Unterstützung, für sich könne sie selbst sorgen. Und findet es noch heute schlimm, wenn mein Bruder irgendetwas am Fernseher für sie installiert, ohne es ihr zu erklären. „Ich muss das doch auch selbst machen können!“, sagt sie dann immer.

Wo, was, wie – so habe ich finanzielle Intelligenz gelernt

Und genau so sieht sie das auch im Hinblick auf ihre Finanzen. Buchhaltung und Co.? Meine Mutter wusste nach der Trennung, wo was ist und wie sie sich organisieren kann. Ich denke, das ist immens wichtig und hat mich extrem geprägt – zum Glück!

Das ist also meine Herkunft, meine finanzielle Intelligenz: Eine Abneigung gegenüber Belohnungssystemen und eine sehr selbstständig und unabhängig handelnde Mutter. Die es als Erzieherin schafft, ein Haus abzubezahlen und vier Kinder zu versorgen – ganz ohne Meckern (na ja, im Bezug auf Ordnung nicht) und Mosern.

Schulden haben, fühlt sich für mich gänzlich verkehrt an – deshalb hab ich einfach keine

Durch dieses Bewusstsein für mein Geld, die finanzielle Intelligenz, die ich durch meine Herkunft mitnehmen konnte, habe ich es hinbekommen: Mein BaFög nach den 2 Jahren, die man gemeinhin auf den Rückzahlungsbescheid wartet, komplett zurück zu bezahlen. Diese Summe von fast 9.000 Euro auf einen Schlag zu überweisen, hat ziemlich weh getan! Aber wenn ich eins nicht mag, sind das Schulden. Ich finde, es fühlt sich schlicht verkehrt an, zu wissen, dass man irgendwo im Minus ist. Mal gucken, wie es mir geht, sollte ich irgendwann mal Immobilien kaufen o. ä. Das wird eine große Herausforderung für mich.

Mein Umgang mit Schulden, die ich dann doch hatte

Aber dass ich das geschafft habe, dieses Bafög zurückzuzahlen und dadurch im Prinzip noch über 1000 Euro zu sparen, hat mich sehr stolz gemacht in dem Moment. Wenn ich mir heute die Finanzblogs etc. durchlese, dann ist genau das auch der erste Tipp: Schulden abbezahlen und bloß keine neue machen! Das habe ich schon immer intuitiv so gehandhabt und bin schuldentechnisch fast komplett unbeschrieben.

Wann Schulden machen für mich mal okay ist

Nur meinen Laptop habe ich in einer finanziell etwas schwierigen Zeit (zu der mein alter natürlich genau den Geist aufgeben musste) einen Mini-Kredit aufgenommen, bei dem ich 200 Euro im Monat dafür abbezahlt habe über 3 Monate. So eine Maßnahme lohnt sich in schwierigen Zeiten, um wenigstens etwas flüssig zu bleiben, sollte aber keine Regel werden.

Oder wie seht ihr das? Wie geht ihr mit Geld und vor allem Schulden um? Macht ihr schon etwas, um euch finanziell gut aufzustellen und für später abzusichern? Schreibt mir doch mal eure Gedanken und Tipps in die Kommentare!

Übrigens: Ab dem 9. Januar 2020, Folge 7, ist Svenja von Mrs. Goldesel bei mir im Podcast. Wenn dich das Thema Finanzen und finanzielle Intelligenz interessiert, hör doch mal dort rein: Sie erzählt von ihrem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit und über ihr (Ferien-)Immobilienvermietung. Extrem spannend und wertvoll!

Im nächsten Teil erzähle ich euch, wie und warum ich bewusst konsumiere, warum weniger manchmal mehr ist und gebe meine Lieblingstipps dazu.

Text: Svenja Hirsch

Fotos: Photo (Geld im Glas) by Michael Longmire on Unsplash

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