Die dunklen Tage – Melancholie. Heute.

10.12.2019 I Svenja Hirsch

Dr. Eckhart von Hirschhausen hat mal geschrieben: Ein Knacks in der Oberfläche bringt Licht ins Dunkel. Mit diesem Knacks meinte er durchaus den im Kopf. Und hat zudem ganz recht. Wann mich mein Knacks trotzdem noch überwältigt.

Melancholie, Depressionen, Schwermut

Ich kann mit ihm ja mittlerweile ganz gut um. Trotzdem gibt es immer wieder so Momente und Tage. Donnerstag zum Beispiel:

Ich war selbst etwas in Eile, musste noch zur Bank und etwas einkaufen, bevor es zum Sport ging. Auf dem Weg war ich fast wie im Laufschritt unterwegs. Eine ältere Dame mit Zettel in der Hand hielt mich kurz an: „Entschuldigung… sind Sie in Eile?“ Ich bejahte und sie sagte nur: „Ach, na dann gehen Sie mal!“ Im Nachhinein ärgerte ich mich. Ich hätte mir die Zeit nehmen und ihr kurz weiterhelfen sollen.

In der Bank ging es recht gut, ich direkt an den Automaten, zack, zack. Da aber zwei Herren hinter mir waren und ich eh gehetzt, stresste mich schon deren bloße Anwesenheit. Man kennt es, oder? Schlimm war es für mich aber erst beim Einkaufen. An der Kasse hinter mir eine Dame, noch mehr in Eile als ich, die mich beim Auspacken ihres ganzen Zeugs aufs Band ständig anrempelte. Dann rückte sie mir schließlich so sehr auf die Pelle, dass ich nur meinte: „Ich möchte hier gleich noch mit Karte zahlen.“ Sie entschuldigte sich prompt und trat einen Schritt zurück.

Es gibt so Tage, da ist es einfach wie verhext…

An solchen Tagen kann ich die zu starke Nähe von Fremden nicht gut ab. Das ging dann auch beim Sport so weiter: Ich habe das erste Mal Aerial Yoga ausprobiert! Eigentlich voll drauf gefreut, aber der Raum war überfüllt und die Drehübungen am Tuch konnte ich nicht machen, ohne mit meiner Nachbarin hart aneinanderzurasseln. Also entschied ich mich, die Übung nicht weiter zu machen. Die Lehrerin bemerkte das und gab mir vorne ihren Platz, wo ich das Ganze einigermaßen unfallfrei ausprobieren konnte.

Einatmen, Melancholie ausatmen!

An solchen Tagen merke ich ganz deutlich meine dünne Haut. Ich habe dann wenig Energie, um in Ruhe die Dinge zu erledigen und mich nicht von anderen Menschen aus dieser Ruhe bringen zu lassen. Das Ergebnis ist Melancholie, ein Synonym von Schwermut. Es meint, dass einem etwas bedrückend und schwer erscheint. Und genau das passiert an solchen Tagen. Ich denke dann oftmals viel zu lange über solche Begebenheiten nach, sie betreffen mich viel mehr und ich frage mein eigenes Verhalten. Diese Gefühlslage zieht sich dann meist über ein paar Tage. Alles kommt mir langsamer und viel schwerer zu bewältigen vor.

Advent, Advent, das Herz schwer brennt

Karma, Karma, Chamäleon

Ich muss zugeben, dass die dunkle Jahreszeit da ihr Übriges tut. Die Weihnachtszeit sowieso. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen wie die Frau an der Kasse, einfach selbst gerade vor Geschenkekauf etc. vollkommen gestresst sind. Und ich merke so etwas (leider) immer und nehme das je nach eigener Gefühlslage mal mehr, mal weniger an. Wie so ein Gefühlschamäleon.

Übrigens sehr schön, dass in allen Beispielen oben die anderen Menschen, die mir begegnet sind, so positiv reagiert haben. Das ist mir gerade erste beim Schreiben aufgefallen und rührt mich tatsächlich ein bisschen.

Diese dünne Haut, die Hypersensibilität, kann man durchaus meinem Knacks zurechnen, der die in Teil 1 beschriebene leichte Depression zur Folge hatte. Die Melancholie, die mich ins Grübeln treibt, kommt auch oft bei kleinen, doofen Situationen mit anderen Menschen zustande. Im Prinzip immer durch negative Stressfaktoren (ja, es gibt auch und meistens positiven Stress).

Hey Sweetie, what’s up?

Da ich mich mittlerweile sehr gut kenne, bringt sie, die Melancholie, tatsächlich Licht ins Dunkle. Weil ich mich in solchen Momenten und an solchen Tagen genauer anschaue und frage: Hey, was ist los mit dir? Und merke, dass ich zum Beispiel wieder mehr Zeit einplanen sollte, dass ich mehr Raum brauche, mehr positive Menschen um mich herum. Mein Knacks bringt Licht ins Dunkle. Ich hatte dank diesem noch nie so etwas wie ein Burn Out, weil ich dadurch besser auf mich selbst achten kann und merke: „Okay, halt stopp, hier läuft etwas schief!“

Und ich tue ganz bewusst Dinge, durch die es mir besser geht. Welche das sind verrate ich euch in Teil 3. Meistens hat jeder seine eigenen Mechanismen, die ihm/ihr an solchen Tagen helfen. Probiert es also einfach aus!

Wann habt ihr das Gefühl, die Dinge gehen schwerer als sonst?

Text: Svenja Hirsch

Foto: Dirk Hirsch

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