Es ist zu viel!

29.10.2019 I Svenja Hirsch

„Ich hab so viel auf dem Zettel. Ich kann nicht mehr. Dieses Jahr keine weiteren Termine!“ Diese Aussagen finden im Wortschatz meiner Mutter nicht statt. Warum sind viele Menschen gestresst, während andere alles und noch mehr mit Links schaffen? Ein Blick auf die Lebensprinzipien meiner Mutter erklärt’s.

Es ist zu viel, Kraft tanken, Stress, Lebensprinzipien meiner Mutter

Alles ist zu viel, gestresstes Gehetze. Gerade in meiner Altersklasse weit verbreitet und mir gerade erst wieder untergekommen: Ich habe vor kurzem ein paar Freundinnen zu mir eingeladen. Recht weit im Voraus. Mal abgesehen davon, dass im Grunde keiner wirklich konnte, bekam ich eine Rückmeldung, die – sehr ehrlich – genau das schrieb: Dass alles momentan zu viel sei. Sie keine Termine mehr machen wolle und gerade einfach nicht mehr könne, am liebsten weinen würde bei all dem, was sie bis Ende des Jahres noch auf dem Zettel habe.

Einfach alles hinschmeißen und losheulen – es ist zu viel!

Warum passiert so etwas? Warum nehmen wir uns so viel vor – und dann auch noch Dinge, die uns überfordern und unglücklich machen, uns das Gefühl geben, dass wir am liebsten heulend darüber zusammenbrechen möchten? Und woher nehmen wiederum andere Menschen die Kraft, alles zu schaffen, was auf ihrer randvollen To-Do-Liste steht, und sind glücklich und zufrieden damit?

Burn-Out durch ständiges, sinnbefreites Arbeiten

Zu Beginn des Jahres hatten wir in der Firma zeitweise einen Kollegen, der nach einem Burn-Out wieder ins Jobleben eingegliedert werden sollte. Er erzählte, wie es zu diesem Burn-Out kam, dass er immer mehr Aufgaben von Kollegen übernahm, die gingen. Sich für alles verantwortlich fühlte, wenngleich vermutlich viele Aufgaben gar nicht mehr wirklich zu seinem Aufgabenbereich gehörten. Er machte und tat, organisierte, war weit über seine normalen Überstunden hinaus vor Ort und ansprechbar. Und natürlich war er auch meist derjenige, der bei Fehlern ebenfalls angesprochen und kritisiert wurde.

Irgendwann ging es einfach nicht mehr. Er fühlte sich gestresst, leer und kraftlos, konnte nichts mehr tun. Auch bei uns war es schwierig für ihn, wieder in ein kreatives Schaffen (er ist Grafiker) zurückzufinden. Letztlich kam es so, dass er nicht zurück- bzw. zu uns kam. Es war zu viel. Die Aufgaben erfüllten ihn einfach nicht mehr. Und ich glaube, dass genau hier ein ganz wichtiger Grund liegt, der entweder im Stand ist, uns sehr viel Kraft zu rauben oder uns sehr viel Kraft zu geben.

Wie meine Mutter alles schafft und noch viel mehr – ihr Lebensprinzip

Vielleicht hast du schon mitbekommen, dass ich gemeinsam mit meiner Mutter ein paar Podcastfolgen aufgenommen habe. In dem Gespräch mit ihr wurde eines ganz deutlich: Sie hatte immer einen Lebenstraum, einen Wunsch oder eben auch ein Ziel, auf das sich ihr ganzes Handeln ausrichtet. Etwas, das sie mit sehr viel Liebe und Glück erfüllt: Kinder. Ob es nun die eigenen sind, die sie immer haben wollte (und zwar genau vier) oder ihr Job, durch den sie immer mit Kindern arbeiten konnte. Ein ‚Es ist zu viel‘ kommt bei ihr nicht vor.

Was ihr Kraft gibt, kann jeder auf sich selbst anwenden (ich ebenfalls)

Sich auf diese eine Sache zu fokussieren, die einen wirklich erfüllt, ist ein ganz wichtiger Punkt, der einem unheimlich viel Kraft gibt. Die Kraft, sehr viel zu schaffen. Gerne bis spät an einer Sache herumzudoktern. Einfach, weil es Spaß bringt. Ich bin auch sehr viel schlechter gelaunt, wenn ich Dinge tun muss, deren Sinn ich nicht verstehe. Wenn ich meine Zeit für eine Tätigkeit aufbringe, die ich nur mache, weil ich damit Geld verdiene. In diesem Fall ist wirklich so, dass ich mich, meine Zeit und mein Können für Geld verkaufe. Ich prostituiere es. Und ich würde mal ganz grob geschätzt behaupten, dass 80 Prozent aller Mensch das ebenfalls tun. Das raubt auch mir unwahrscheinlich viel Energie.

Was ich mache, soll mich erfüllen oder nachhaltig sein. Am besten beides!

Was ich jetzt seit noch gar nicht mal allzu langer Zeit tue, ist sehr bewusst darauf zu achten, wie es mir mit einer Tätigkeit geht. Ich habe zum Beispiel einem Autoren-Kollegen für Lesungen abgesagt. Ich habe keinen Spaß daran und dafür sind sie mir dann ehrlich gesagt auch zu schlecht bezahlt und nicht nachhaltig genug. Was soll ich meine Zeit verschwenden für etwas, das mir in jeglicher Hinsicht ein schlechtes Bauchgefühl macht? Ich arbeite in dieser Zeit lieber an Dingen, die mir wirklich Freude machen. Auch, wenn ich mit diesen derzeit noch keinen Umsatz mache, es sind die Dinge, die darauf ausgelegt sind, dass auf lange Sicht genau das passiert. Diese Entscheidung ist somit auch langfristig gedacht: Ich will mein Geld in Zukunft nicht mit Lesungen verdienen, ich will sie mit dem verdienen, was ich jetzt vorbereite.

Nicht jeder versteht das, klar. Aber es ist auch immer die Frage, ob die Menschen, die deine Entscheidung in solchen Fällen nicht verstehen auch wirklich die Menschen sind, die du weiterhin in deinem Leben haben willst.

Aussortieren – Sachen, Tätigkeiten und ja, auch Menschen

Ich sortiere also momentan mal wieder sehr bewusst aus. Das gilt nicht nur für Aufgaben, den Job usw. Es gilt auch durchaus für Menschen. Ich möchte meine Zeit, auch und vor allem meine Freizeit nicht mit Menschen verbringen, die mir Kraft rauben. Egal, ob sie dies bewusst oder unbewusst tun (meist letzteres). Ich habe ohnehin wenig Zeit. Diese will ich dann genau so wie im Job mit Dingen und vor allem Menschen verbringen, mit denen sich diese Zeit gut anfühlt und mich erfüllen. Die Kraft geben. Alle Tätigkeiten und Leute, bei denen das nicht so ist, fliegen raus.

Nicht alles ist schön – trotzdem sollte es dich immer näher an dein Ziel bringen

Natürlich gibt es immer Dinge, die man tut, obwohl sie einem unangenehm sind, weil sie zu meinem Traum, Wunsch, Ziel dazugehören. Meine Mutter muss schließlich auch regelmäßig ihre Abrechnungen machen, obwohl sie dazu überhaupt keine Lust hat. Aber: Sie zahlt damit immer auf ihr Ziel ein. Auf diese eine Sache, die ihr schon immer so viel Kraft gegeben hat, dass sie es überhaupt nicht verstehen kann, wenn sich ein arbeitender Mensch ohne Kinder hinstellt und meint, er hätte so viel auf dem Zettel.

Etwas auf dem zettel haben, Bodo Schäfer, Stress, Grundprinzip, gedanken festhalten

Was ich auf dem Zettel habe? Meinen wichtigsten
Gedanken gegen innere Unruhe!

Was heißt das jetzt im Endeffekt?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gerade dann, wenn wir wieder mal das Gefühl haben: „Oh Gott, es ist alles zu viel!“ und am liebsten weinen wollen, uns einfach nur mal hinsetzen brauchen. Hinsetzen, zurücklehnen, Augen schließen. Und dann überlegen, was wir gerne machen und was nicht. Was wir uns wünschen würden – und sei es ein Gammeltag im Bett.

Spiri, aber richtig: Erfüllung finden in dem, was wir tun

Und dann die Dinge, die uns negativ stimmen, abgeben oder absagen, uns stattdessen besagten Gammeltag gönnen und die Dinge tun, die uns zufrieden machen. Ich muss und will dazu sagen, dass es nicht darum geht, zum Beispiel den Job zu schmeißen und nur noch Schokolade zu essen. Es geht darum, eine Erfüllung in unserem Tun zu finden, ein Tun, das uns so viel Energie gibt, dass wir alles geben können und dabei mental wie körperlich topfit bleiben.

Stress ist gut

Gerade gestern habe ich das Kapitel aus Bodo Schäfers „Die Gesetze der Gewinner“, in dem es um Stress gibt. Stress wird oftmals negativ konnotiert. Dabei ist er alles andere als das. „Er entsteht, wenn die innere Balance der Körperzellen aus dem Gleichgewicht gerät. Die Stresshormone stellen das Gleichgewicht der Körperfunktionen wieder her.“ (S. 58) Stress müsse schlicht unter Kontrolle bleiben, und das ist genau dann der Fall, wenn die Art und Weise stimmt, in der wir mit dem Stress umgehen.

Lesetipp*:

Ich habe mir daher den Satz rausgeschrieben „Ich konzentriere mich auf das, was ich gerade tue.“ Mein Hauptproblem, wenn mich etwas im negativen Sinne ‚stresst‘. Ich bin dann nämlich oftmals nicht bei der Sache, die ich gerade tue, sondern denke schon an alles weitere. Das, was ich noch machen ‚muss‘. Und das ist es, was mich fertig macht. Die innere Unruhe durch Gedanken an To-Do 20, während ich noch bei der eins bin.

Wann es kein ‚Es ist zu viel!‘ mehr gibt

Wenn ich jeder Sache ihre Zeit einräume und mich voll und ganz auf die eine Sache konzentriere, während ich sie tue, schaffe ich unglaublich viel. Es macht mir nichts aus, 10, 12, 14 Stunden am Tag zu arbeiten. Und wenn ich dabei ausschließlich den Sachen Zeit einräume, die zu meinem Traum/Wunsch/Ziel gehören, macht mir das sogar Spaß. Ein ‚Es ist zu viel!‘ gibt es dann nicht mehr. Ich kämpfe weniger, habe mehr Kraft zum ‚Machen‘ und schaffe alles, was ich mir vornehme – ohne die Gefahr eines Burn-Outs.

Sich etwas eingestehen, ist der erste Schritt in die richtige Richtung

Wenn ich Geschichten von Menschen höre, wie die, die ich hier in Kürze angeschnitten habe, möchte ich ihnen am liebsten sofort mit Rat und Tipps weiterhelfen. Ich halte mich zurück, weil das oftmals gar nicht so gewünscht wird. Wahrscheinlich auch, weil es bedeuten würde, sich einzugestehen, dass sie gerade in dem ein oder anderen Bereich in die verkehrte Richtung laufen.

Ich hoffe, dass dieser Text den ein oder anderen von euch anregt. Sei es einfach, ganz bewusst in den eigenen Kalender zu schauen und zu gucken, ob alles, was da so drin steht, eigentlich unbedingt sein muss. Ich wünsche euch, dass das ‚Es ist zu viel‘ bei euch schon ganz bald zu einem

‚Boah, geil! Mehr davon!“

wird!

Dieser Text und vor allem der Podcast mit meiner Mutter ist ein Anlass, mir über meinen Lebenstraum klar zu werden. Über das, was über allem steht, was sich durch alles durchzieht, weil es mich in meinem Fähigkeiten und Zielen widerspiegelt. Ich arbeite daher gerade an einem Freebie, in dem ich nochmal die wichtigsten Lebensprinzipien meiner Mutter zusammenfasse. Wie wir diese auf eigene Werte und Wege übertragen können. Dazu wird es einen Fragenkatalog geben. Dieser trägt dazu bei, dass jeder von uns beim Beantworten seinen eigenen Lebensprinzipien ein Stück näher kommt.

Freebie bedeutet übrigens kostenlos für Newsletter-Abonnenten: Trag dich unten für den Newsletter ein und du bekommst als Erste/r die Lebensprinzipien per Mail zugeschickt.

Text: Svenja Hirsch

Foto: Photo (Kalender) by Manasvita S on Unsplash, Photo (ich mit Zettel) by Svenja Hirsch

Dieses Beiträge könnten dich auch interessieren:

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.