Der Ehevertrag

08.10.2019 I Svenja Hirsch

Heimchen am Herd: Von Gesetzes wegen wird davon ausgegangen, dass der Mann in einer Ehe Hauptverdiener ist und die Frau sich um Kind und Küche kümmert. Aber was, wenn Frau keinen Bock auf Haus hüten hat? Ein Plädoyer für New Marriage und den Ehevertrag.

Ehe Ehevertrag Gleichberechtigung Frau am Herd

Vor meiner Hochzeit habe ich mich mal mit der Gesetzgebung in punkto Ehe beschäftigt. Da ist es in etwa so (bitte selbst von Rechtsmenschen beraten lassen): Hier wird davon ausgegangen, dass die Frau sich durch die Betreuung der Kinder etc. nicht um ihre Karriere kümmern kann und somit auch nicht um die Einzahlung in die Rentenkasse. Wird ein Paar geschieden, soll ihr Verlust ausgeglichen werden. Das ist der Standard, wenn man keinen Ehevertrag hat.

Gesetz in punkto Ehe klingt nach einer guten Idee – aber wie zeitgemäß ist das heute noch?

Ich zum Beispiel halte nichts von dem oben beschriebenen, recht altbackenen Modell. Ich finde es zwar absolut in Ordnung, wenn sich Paare hierauf einigen (weil die Frau das auch wirklich so möchte und nicht in irgendeine Rolle gezwängt wird!), aber für mich wäre das nichts. Und da fängt es schon an, schwierig zu werden.

Alles steht und fällt mit der Tatsache, dass Frauen nach wie vor im Schnitt weniger verdienen als Männer. Dass sie seltener in der Chefetage bzw. generell höheren Positionen zu finden sind. Ich glaube, dass hier bereits der Hund begraben liegt. Würden beide gleich verdienen, wäre Elternzeit bei beiden gleich gut angesehen, wäre auch die Diskussion um die Kinderbetreuung eine ganz andere und viele weitere vermutlich ebenfalls.

Was muss her, wenn sich ein Paar anders definiert? Ein Ehevertrag!

Mein Mann und ich werden ein paar Tage vor unserer Hochzeit einen Ehevertrag abschließen in dem wir unsere Zugewinngemeinschaft, die automatisch durch eine Eheschließung entsteht, modifizieren. Erst kürzlich waren wir hierfür nochmal bei der Notarin – wie sagte mein Mann es dort nochmal so schön: „Wir schließen diesen Vertrag, um die gesellschaftliche Benachteiligung wie zum Beispiel durch das Gender Paygap auszugleichen.“ BAM! Guter Typ!

Der Typ ist für Heimchen am Herd und muss am Ende zahlen? Selbst schuld!

Bei uns kommt hinzu, dass mein Mann selbstständig ist und ich derzeit ebenfalls in Teilen. Das gibt dem Ganzen eh nochmal einen anderen Dreh. An dem Punkt, wo wir jetzt stehen, war es mir wichtig, sollte es zu einer Scheidung kommen (denn nur für diesen Fall braucht es ja den Vertrag!), jeder von uns weiterhin gut abgesichert ist. Daher habe ich zum Beispiel meine wahrscheinlich ohnehin sehr kleine gesetzliche Rente aus der Zugewinngemeinschaft ausnehmen lassen. Und auch private Vorsorgen haben wir weitestgehend ausgeklammert.

Einer zahlt in die Rente, der andere nicht? Fail!

Die Fachanwältin, die den ersten Entwurf unseres Ehevertrags aufgesetzt hat, ist auch am Gericht tätig. Sie erzählte mir bei der Beratung von einem Fall, in dem die Frau viel für ihre Rente getan und gearbeitet hatte, dabei aber leider nicht mitbekam, dass sich ihr Mann lieber mit dem Renovieren der Garage beschäftigte, als sich um seine Arbeit zu kümmern. Das Ende vom Lied: Sie muss nun nach der Scheidung ihre hart erarbeitete Rente mit ihm teilen, für die er kein Stück geleistet hat. So etwas kann auch passieren.

Neben diesen ja fast schon allgemeinen Modifikationen, die wahrscheinlich irgendwo jedes Paar betreffen, geht das Ganze auch noch zu einem kleinen Teil in unser Unternehmertum rein. Derzeit ist es noch schwierig, dazu etwas in den Vertrag aufzunehmen, weil sich einiges noch in der Gründung befindet. Wir können somit nicht sagen, welcher Umsatz generiert wird und wer was davon am Ende erhalten soll, sollten wir uns trennen. Aber wir haben zumindest schon einmal im Vertrag festgehalten, dass es hierzu nach der Gründung noch eine Regelung geben soll. Dass wir das ‚auf dem Zettel‘ haben sozusagen!

Regelungen bei uns als Unternehmer-Pärchen

Normalerweise ist es so, das die Hälfte des generierten Umsatzes, der an den jeweiligen Unternehmer geht, auch dem Partner gehört. Trennt man sich und der andere besteht auf die Hälfte, kann das ein Unternehmen gefährden. Gleichzeitig: Wenn mein Mann das neue Google erfindet und ich auf was auch immer an Anteilen verzichte… ärgerlich! Denn meistens ist es ja schon so, dass man gemeinsam am Küchentisch hockt, Ideen hin und her spielt und zumindest geistig beteiligt ist.

Die Fachanwältin hatte dazu ein paar spannende Vorschläge, wenn man das Unternehmen nicht gefährden, aber dennoch nicht auf einen Anteil verzichten will: Man kann z. B. einen bestimmten Prozentsatz vom Umsatz (wichtig! Nicht Gewinn!) ausmachen, der dem anderen zusteht. Oder vereinbaren, dass diese Summe für den anderen zum Beispiel in einer Art Vorsorge angelegt wird. Auch eine sehr schöne Idee, wie ich finde! Aber zurück zu dem, was wahrscheinlich die meisten interessiert und was ich ebenfalls unglaublich spannend finde: Wie setzt man nun eine Gleichberechtigung in der Partnerschaft um?

Wenn beide arbeiten, kümmern sich auch beide in gleichen Teilen um alles andere – oder?

Der Ehevertrag ist das eine. Durch die Beschäftigung mit diesem ist bei mir noch eine ganze Reihe anderer Gedanken angestoßen worden. Vor allem über Konzepte für eine Partnerschaft – egal, ob man verheiratet ist oder nicht. Ich habe erst vor ein paar Tagen die Podcastfolge #63 von Madame Moneypenny gehört, die ich mit voller Inbrunst weiter empfehlen möchte. Nach einigem Hin und Her übers Unternehmertum erzählt hier Milena Glimbovski, Gründerin u. a. von Original Unverpackt, wie sie Familie und Beruf vereint. Ein sehr spannendes Modell, in dem Gleichberechtigung absolut vorrangig ist und sie auch die Behandlung der Elternzeit von Männern in Frage stellt.

Ihr Freund bleibt genauso lange zuhause wie sie. Beide teilen sich sehr genau die Zeiten auf. Er füttert das Kind gänzlich unabhängig von ihr, wenn sie nicht da ist. Auch das sieht sie als Gleichberechtigung an, denn normalerweise ist das Füttern des Kindes gerade am Anfang eher ‚Frauensache‘. Ob ich mit ihrem recht streng eingeteilten Zeitkonzept so dacore gehe, weiß ich nicht. Aber den Gedanken, die Idee, Gleichberechtigung wirklich bis ins Letzte durchzuziehen, finde ich toll und sehr überlegenswert. Ich habe diese Folge meinem Mann direkt geschickt – mal gucken, was er dazu sagt.

Frau mit Bier Gleichberechtigung Ehevertrag

Ich. Später.

Und das Argument, dass doch lieber der Besserverdiener arbeiten geht, setzte sie ebenfalls sehr vehement außer Kraft. Zum einen müsse man sich überlegen, dass man dieses Geld ja auch investiert, nämlich darein, sein Kind aufwachsen zu sehen. Den Bezug zueinander zu haben, den gerade Mann sonst nicht hätte. Und sie gibt das Beispiel einer Freundin, die zu ihrem Partner sagte: „Na ja, du verdienst so viel, leg dir dafür halt was zurück!“ Ja, man kann so etwas auch planen, sich die nötigen Gedanken machen und vorsorgen. Es ist sicherlich nicht der einfache, weil vorgefertigte Weg. Aber für mich der fairste.

Erster Schritt zur Gleichberechtigung? Augen auf bei der Partnerwahl!

Ich bzw. wir haben unser Konzept noch nicht klar definiert und gefunden. Aber eben darüber gesprochen und in unserem Ehevertrag auch festgehalten, dass wir uns zu gleichen Anteilen um gemeinsame Kinder kümmern werden. Ich weiß aus meiner Erfahrung (und das wird auch in besagter Podcastfolge angesprochen): Gleichberechtigung beginnt schon ganz früh – bei der Partnerwahl!

Nicht jeder macht so etwas mit oder hat überhaupt ein offenes Ohr für entsprechende Ideen, die vom traditionellen Familienbild weggehen. Deshalb habe ich meinem Mann das ganze Thema schon sehr früh um die Ohren gehauen. Und würde ihn wahrscheinlich nicht heiraten, wenn er eine andere Einstellung dazu gehabt hätte als die, die wir uns nun auch schriftlich geben.

Mehr zu unseren Erfahrungen mit Gleichberechtigung generell und in der Partnerschaft könnt ihr übrigens im Podcast hören – da haben er und ich uns mal ein Stündchen hingesetzt und über dies und unseren Ehevertrag gesprochen.

Und ihr so?

Da wir wie gesagt unser Konzept noch nicht ganz haben, würde mich sehr interessieren, was ihr über Gleichberechtigung in der Partnerschaft denkt. Habt ihr schon bestimmte Sachen, die ihr macht, um diese zu erhalten? Oder vielleicht Geschichten aus dem Freundeskreis dazu? Schreibt es gerne in die Kommentare oder schickt mir eine Mail dazu – vielleicht wird daraus ja ein Gastbeitrag! Danke!

Text: Svenja Hirsch

Foto: Photo 1 (Frau mit Kuchen) by Marisa Howenstine on Unsplash, bearbeitet. Photo 2 (Frau mit Bier) by Les Anderson on Unsplash.

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