C wie chaotisch

03.10.2019 I Svenja Hirsch

Warum meine Morgenroutine ‚Bett machen‘ heißt.

C wie chaotisch, Self-ABC, Im Hirschwald

Früher habe ich nie mein Zimmer aufgeräumt. Meine Mutter muss es sehr viel Kraft gekostet haben, mich jede Woche von Neuem zu überzeugen (oder mich dazu zu zwingen) einmal mit dem Staubsauger durchzugehen. Bei vier Kindern gab sie es irgendwann auf, unser Zeug jeden Tag wegzuräumen und weigerte sich schließlich, auch nur einen Fuß in unsere Zimmer zu setzen. Aber Staubsaugen, bitteschön! Wenigstens das.

Bis vor kurzem hat sich an meiner Einstellung dazu nicht viel geändert: Ich zog von Mutti in eine WG, dort putzte ich einmal alle 14 Tage Bad und Küche, und saugte bei der Gelegenheit auch mein Zimmer. Aber das dann auch noch aufräumen? Och… nö. Immer erst, wenn jemand zu Besuch kam – vor allem Mutti.

Von dort aus ging es in die Wohnung zu meinem damaligen Freund… Wenn ich putzte, war es ihm nicht gut genug, ständig bekam ich zu hören, was ich besser und anders (wie die Ex) machen solle. Oder es wurde erwartet, dass ich an meinen HomeOffice Tagen den Haushalt schmiss. Kurzum: Ich habe es nicht getan. War mir zu blöd und es störte es mich auch nicht. Dachte ich.

Dann kam die Trennung und ich zog in meine wirklich erste und alleinige. Zuerst war es nur eine Kleinigkeit: Ich machte das Bett jeden morgen. In einer 1-Zimmer-Wohnung sieht es einfach schlimm aus, wenn du nach der Arbeit nach Hause kommst und in eine Kissenhölle stolperst. Ich bin zwar Junggesellin, aber doch schon über 30! Bis heute gehört es zu meinen morgendlichen Tätigkeiten. Auch, wenn ich nichts anderes schaffe (zu Meditation oder gar Yoga habe ich es nie gebracht: Einen großes Glas Heilerde mit Wasser trinken und einmal Balkonpflanzen gießen, ist das höchste der Gefühle), ABER mein Bett schaffe ich!

Ich räume mit meiner Wohnung auch meinen Kopf auf!

Und ich habe tatsächlich eine kleine Abendroutine etabliert: Ich gehe jeden Abend vor dem Schlafengehen einmal durch die (mittlerweile 2) Zimmer und räume alles an seinen Platz. Gläser aus dem Wohnzimmer in die Küche, bestenfalls in die Spülmaschine etc. Das räumt nicht nur meine Wohnung, sondern auch meinen Kopf auf.

Hast du schon einmal etwas von Offizier McRaven gehört? Der Amerikaner ist eine Legende – er macht jeden Morgen sein Bett. Er sagt „Wenn du die Welt verändern willst, fang mit den kleinen Sachen an.“ Und genau so ist das: Diese kleine Veränderung in meinem Bewusstsein für Ordnung macht etwas mit mir. Auch mein Kopf ist viel sortierter und ich bin nie gestresst von Chaos um mich herum, das ich sonst ausblenden müsste. Chaos zieht Energie. Als ich in meine erste Wohnung zog und zwischendurch bei meinem ehemals Freund noch Sachen abholte, war ich erschrocken, wie es dort aussah. So schnell hatte sich meine Wahrnehmung geändert. Ich habe tagtäglich in diesem Zustand gelebt, es ausgeblendet und war mir dessen nicht bewusst. Nur ein paar Tage Abstand, schon war der Blick ein anderer.

Ordnung ist Selbstfürsorge

Mein jetziges Schlafzimmer liegt direkt hinter der Haustür. Wenn ich nach Hause komme, schaue auf das gemachte Bett. Nenn mich seltsam, aber das ist ein richtig schönes Gefühl! Es erinnert mich daran, dass ich heute morgen etwas für mich getan habe. Bettmachen ist fast wie meditieren (yes! High five, jetzt fehlt nur noch Yoga!). Ich sorge dafür, dass ich nicht im selbstgemachten Chaos versinke. Und das Beste: Ich brauche keine ellenlangen Aufräumaktionen mehr! Früher immer dann gestartet, wenn Besuch sich angemeldet hat, war Putzen und Aufräumen ein viel zu langer Obernerv!

Heute kann eigentlich immer jemand reinschneien. Es ist nicht alles porentief rein (das ist auch nicht gut für die Abwehrkräfte ;)), aber ordentlich. Und wenn der Besuch ich selbst bin: Meine Wohnung freut sich auf mich und ich mich auf sie!

Und zum Ende noch interessanter Side-Kick: Bei meinem Zukünftigen wurde eine Hausstauballergie festgestellt. Ich komme jetzt also noch nicht mal mehr ums regelmäßige Staubwischen drumherum, das ich so hasse… Soll mir das irgendetwas sagen? Ich werde auf jeden Fall berichten, ob diese Veränderung für etwas gut ist und was sie mit mir und dem Leben so macht. Ob Staubwischen wohl auch weltverändernd ist? Ich hoffe es – das wäre eine angemessene Entschädigung!

Mehr über den ordnungsliebenden Offizier liest du hier: https://www.zeit.de/arbeit/2019-01/rituale-alltag-routine-gewohnheit-erfolg-william-mcraven-militaer

Text: Svenja Hirsch

Foto: auch!

Du willst regelmäßig über neue Beiträge informiert werden? Melde dich hier für unseren Newsletter an. So Du bekommst automatisch eine Mail (max. 1x/Woche) mit Infos zu neuen Beiträgen und Aktionen. Und nicht nur das: Der Newsletter enthält eine Handvoll motivierende Tipps und Gedanken, die es nicht auf dem Blog oder Instagram gibt! Du kannst dich jederzeit wieder abmelden.

* Hiermit stimmst Du der Verwendung deiner Mailadresse zu.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.