Ab ins Grundbuch

01.10.2019 I Svenja Hirsch

Wenn einer, der dich liebt, nicht an deiner Zukunft beteiligt sein will. Wie mich ein verwehrter Grundbucheintrag zu mehr Selbstwert und Verantwortung für meine Zukunft geführt hat. Und was ein Ehevertrag mit Liebe zu tun hat.

Grundbucheintrag Ehevertrag Gleichberechtigung in der Partnerschaft

Das beschreibt ganz grob, was mir durch meine (einzige) längere Beziehung vor meinem Mann passiert ist. Und ich erzähle das hier, weil ich bestimmt nicht die erste bin, der so etwas passiert ist. Aber vermutlich leider eine der wenigen, die sich gewehrt haben und nun auch noch darüber schreiben!

Reiche Eltern, geldgieriger Sohn

Vorweg: Zu besagtem Zeitpunkt hatte ich eher wenig Einkommen, mein damaliger Partner (nennen wir ihn einfach mal Paul) recht viel. Und erst recht seine Eltern. Ich glaube, diese müssen so etwas wie Millionäre sein. Sie besitzen mehrere Häuser im Speckgürtel von Berlin und haben zusätzlich einiges auf dem Konto. Anders kann ich mir nicht erklären, dass die beiden uns nach ca. zwei Jahren unserer Beziehung anboten, einen Großteil zu einem eigenen Haus bzw. einer Wohnung beizusteuern. Quasi 400.000 Euro für den Nestbau, von dem wir einen Teil in Form kleinerer Mietzahlungen an die beiden zurückgeben sollten. Erstmal ein sehr, sehr nettes und vertrauensvolles Angebot.

Mein Geld, kein Grundbucheintrag

Was mich jedoch von vornherein störte, war die Tatsache, dass ich nicht mit im Grundbuch stehen sollte. Wollte Paul nicht. Und hier geht es jetzt ans Eingemachte: Hätten wir vor dem Tod seiner Eltern nicht alles in Gänze zurückbezahlt (wovon auszugehen ist), wäre ihm der verbleibende Rest als Erbe zugefallen. Und ich hätte durch meine bereits getätigten Ratenzahlungen in Form einer Miete sein komplettes Eigenheim mitfinanziert, ohne auch nur ein bisschen im Grundbuch gestanden zu haben. Meine Beteiligung wäre somit nirgends festgehalten worden. Sein Argument: Ich würde ja jetzt auch Miete zahlen. Er sei dann bloß so etwas wie mein Vermieter.

Was willst du mit einem, den deine Zukunft nicht interessiert?

Ja. Aber genau das will ich auf Dauer nicht. Mit einer Ratenzahlung, für die ich Anteile eines Hauses erwerbe und eben auch im Grundbuch stehe, wirtschafte ich mir in die eigene Tasche. Das tue ich mit einer Miete nicht, gab ich zurück. Er wollte sich jedoch auch nicht darauf einlassen, mich lediglich Verbrauchskosten anteilig zahlen zu lassen, sodass ich die gesparte Miete für andere Dinge hätte anlegen können. Eine kleine Miete wollte er in jedem Fall von mir haben.

Vatti rechnet vor, Sohn nicht mit

Das ging sogar so weit, dass wir mit seinen Eltern darüber sprachen. Und ich noch einmal vorbrachte, dass ich für den Teil, den ich für das Haus bezahle, auch im Grundbuch stehen will. Und sei es nur zu einem ganz kleinen. Selbst seine Eltern fanden das nachvollziehbar. Es könnten mehrere Personen zu ganz unterschiedlichen Anteilen im Grundbuch stehen, meinte sein Vater – das hätte zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal ich selbst gewusst. „Aber dann müsste ich sie ja bei einer Trennung auszahlen!“, so Paul. Vatti hat dann mal kurz vorgerechnet: „Wenn Svenja 400 Euro monatlich zahlt, sind das 4800 im Jahr, sind in zehn Jahren noch nicht mal 50.000 Euro – das wirst du doch wohl zurückzahlen können!“

Es kam ganz anders: Wir sprachen nicht nochmal richtig über dieses Thema, obwohl fast zwei weitere Jahre vergingen. Auf Vorschläge von mir reagierte er kaum – ich merkte aber ehrlich gesagt auch einfach nichts. Bis wir uns schließlich trennten. Er sich in erster Linie von mir – und ich glaube, dass meine Aussage „Du kannst dir ja gerne eine Haus kaufen, aber unter diesen Voraussetzungen ziehe ich da ganz bestimmt nicht mit ein!“ durchaus dazu beigetragen hat. Ich stehe nach wie vor 1000prozentig dazu und bin froh, dass es geendet ist.

Wenn ich etwas bezahle, sollte auch mein Name draufstehen

Mal ehrlich: Jemand, der doppelt so viel verdient wie ich. Der sagt, er liebt mich. Der sagt, er will Kinder mit mir. Aber nicht will, dass ich im Grundbuch des Hauses stehe, in dem wir gemeinsam leben – und zwar für das Geld, was ICH tatsächlich bezahle. Einfach aus Angst vor einer Trennung, aus Angst, Geld zurückzuzahlen, dass ohnehin MIR gehört… Was ist das für ein Mensch? Was will dieser Mensch überhaupt von mir, wenn er mich noch nicht mal hier beteiligt sehen möchte?

Trennung Ehevertrag Grundbucheintrag kaputt broken

Ja, ich bin ein Scheidungskind und ja, wir haben wahrscheinlich alle auch schon mal so eine schlimme Trennung bei anderen in irgendeiner Form mitbekommen. Ich weiß noch, wie meine Mutter mir kurz nach der Trennung verriet, dass mein Stiefpapa sich über diesen Sachverhalten dermaßen aufgeregt hat. Mit ihm habe ich darüber gesprochen, gefragt, was er machen würde etc. pp. ER war derjenige, der gesagt hat, dass ich auf Pauls Weise mein Geld ja gleich zum Schornstein rausschleudern kann. Und das Miete nun mal etwas ganz anders als ein Kauf ist. Er war derjenige, der (ohne es mich direkt wissen zu lassen) schon vor mir wusste, dass mich diese Beziehung nicht gut tut. An dieser Stelle: Ich vermisse ihn sehr.

MEIN Geld für SEINEN Wohlstand

Seine Einstellung hätte mir zeigen können, dass es diese Sicht durchaus auch von Männern auf die ganze Sache gibt. Aber ich habe das zu dem Zeitpunkt nicht gesehen. Ich muss wohl noch zu sehr in diesem Um-jeden-Preis-eine-Beziehung-haben-Wollen dringesteckt haben. Was übrigens komplett absurd ist!

Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass mich ein ähnliches Verhalten jetzt sofort misstrauisch machen würde. Ich würde immer hinterfragen, ob die Einstellung, mir nach einer Trennung (und auch davor) nicht das Gelbe im Ei zu gönnen, so richtig sein kann. Im Grunde genommen wollte Paul MEIN Geld, um seinen Wohlstand zu finanzieren (und das sogar noch während unserer Beziehung). Was mit mir nach einer Trennung passiert, war ihm gelinde gesagt scheißegal. Und er wusste ganz genau, was ich zu diesem Zeitpunkt verdient habe. Hauptsache, seine Schäfchen sind im Trocknen. Das geht gar nicht!

Gender Paygap und zu viel Selbstaufgabe

Um jetzt mal aufs große Ganze zu kommen: Es geht nicht, dass Frauen generell 21% weniger als Männer im Jahr verdienen und sich dann auch noch aus jeglichen Besitzansprüchen verabschieden. Dafür sind nicht immer unbedingt die Männer verantwortlich, sondern auch die Frauen, die diese Ansprüche erst gar nicht stellen oder ein entsprechendes Verhalten beim Mann einfach hinnehmen und klein beigeben.

Ich habe mich zumindest nicht kopflos in mein Unglück gestürzt, obwohl ich noch zwei weitere Jahre in der Hoffnung ausgeharrt habe, Pauls Einstellung würde sich schon noch ändern. Er liebt mich ja. Was für ein Quatsch! Ich könnte mit dem Kopf auf die Tischplatte schlagen, bei dem Gedanken daran.

Verantwortung trägt jeder in erster Linie für sich selbst

Natürlich hat jeder die Chance verdient, sich Zeit zu nehmen und über solche wichtigen Dinge nachzudenken – aber zwei Jahre?!? Nö. Würde ich nicht nochmal machen. Ganz ehrlich: Wir müssen alle sehen, wo wir bleiben. Und rententechnisch sieht es gerade für Frauen nicht besonders rosig aus. Im Prinzip können sich Frauen es schon mal gar nicht leisten, irgendwo Abstriche zu machen oder irgendetwas hinzunehmen. Etwas abzugeben, etwas dem anderen alleinig zu überlassen, statt es zu teilen. Das funktioniert vorne und hinten nicht.

Warum Eheverträge romantisch sind

Übrigens wollte Paul auch noch einen Ehevertrag im Falle einer Hochzeit, um mir vermutlich jegliches Recht an einem Haus/Grundbuch etc. pp. abzusprechen. Mal abgesehen davon, dass so etwas wahrscheinlich gar nicht rechtens ist, habe ich übrigens auch da mit einem sehr scharfen „So etwas unterschreibe ich nicht!“ geantwortet. Vielleicht ein weiterer Trennungsgrund. Sei es drum. Wer ist eigentlich Paul?

Gehen können, wie man gekommen ist

Und zum Schluss will ich nochmal etwas romantischer werden: Selbst nach einer Trennung würde ich wollen, dass es dem anderen gut geht – oder zumindest nicht ganz schlecht. Wenn dabei wirklich ein Lebenstraum, eine kleine Familie zerplatzt, dann soll der andere wenigstens eine kleine finanzielle Grundlage (und sei es in Form vom Grundbuch) haben, um von dort aus neu anzufangen. Und ja, egal wie scheiße etwas auseinander gegangen ist!

Ich heirate meinen Mann aus Liebe. Nicht, weil ich Steuern sparen will. Deswegen war ich auch zum Teil etwas entsetzt über die Gesetzesgrundlage, die noch von der Frau als Hausfrau ausgeht und die sich aber in einem Ehevertrag entsprechend modifizieren lässt. Ja, in diesem Falle wird es nun einen geben. Und wer sagt, Ehevertrag ist unromantisch: Man kommt dadurch in viele sehr intensive Gespräche rein – die zum Teil wehtun, aber die Grundlage der Beziehung in ihrer ganz und gar nackten Existenz zeigen. Das halte ich für mehr als romantisch! Es ist schlicht das, worum es geht.

Und ja, es geht auch immer um mich, allein, und um ihn, allein. Wir gehen als einzelne, unabhängige Persönlichkeiten, die für sich alleine sorgen können, in diese Ehe hinein. Und so sollten wir auch wieder hinausgehen können. Ganz egal, wie sehr ich hoffe, dass das niemals passieren wird. Das sollte die grundlegende Voraussetzung sein.

Was am Ende übrig bleibt

Ich kann nur für mich sprechen: Ich will nicht das Gefühl haben, mich nicht trennen zu können, weil ich dann nichts mehr habe. Weil ich neben meiner Familie auch alles andere verliere. Denn erst dann, wenn es nicht mehr um die Frage geht, wie arm dran ich bei einer Trennung wäre… Was mir alles genommen wird und ob ich mich daher wirklich trenne oder lieber ausharre bis zum bitteren Ende… Erst dann bleibt das, worum es wirklich geht: Das Leben, das man teilt. Die Liebe, die man füreinander hat.

Text: Svenja Hirsch

Foto: Photo 1 (Eierköppe) by KS KYUNG on Unsplash. Photo 2 (Broken Glass) by veeterzy on Unsplash.

4 Kommentare
  1. Hanna
    Hanna sagte:

    Hej Svenja, endlich bin ich mal dazu gekommen, den Text zu lesen. Und ich finde es sehr gut, wie offen und ehrlich du schreibst! Bussi 🙂

    Antworten
    • Svenja
      Svenja sagte:

      Hi Hanna! Dankeschön, ich freue mich sehr über deinen Kommentar – genau so soll es hier auch sein 🙂
      Liebe Grüße und Küsschen

      Antworten
  2. Conny Pekrun-Hirsch
    Conny Pekrun-Hirsch sagte:

    Hallo, liebe Tochter, wenn ich das so lese, dann kann ich mir ein bisschen selber auf die Schulter klopfen, denn genau so und nicht anders sollte „Frau“ denken, finde ich. „Frau“ muss eine Beziehung beenden können, die nicht mehr stimmt und die sie nicht glücklich macht. Ohne lange darüber nachzudenken, ob sie es nach der Trennung schafft, sich selbst zu ernähren.
    „Überlegen sie eine Scheidung gut, Frau Hirsch. Sie haben 4 kleine Kinder…“, das sagte damals eine Anwältin, die ich anrief, damit sie mir bei der Trennung hilft. Was denkst du, hat mich diese Anwältin bei der Scheidung vertreten?

    Und ganz nebenbei, es gibt Männer, die niemals so handeln würden wie Paul, ich habe einen solchen geliebt und vermisse ihn auch und ich hoffe, dass du so einen jetzt gefunden hast.
    Deine Mutti

    Antworten
    • Svenja
      Svenja sagte:

      Hallo liebste Mutti!
      Danke für deinen Kommentar… Ja, ich habe auch durch unseren gemeinsamen Podcast so richtig bewusst gemerkt, wie sehr du mich geprägt hast in genau diesem Denken. Ich hoffe, wir können durch unsere gemeinsame Folge ein paar weitere Menschen auf diese Gedanken bringen.

      …ich vermisse ihn – immer.

      Kuss, Svenja

      Antworten

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